
Das Marseille des Rappers Akhenaton
Von Martina Zimmermann
Eine SWR 2 Dschungel Sendung
Atmo 1: Mesdames Messieurs notre TGV va arriver en gare de Marseille. Marseille-St.Charles onze minutes d´arret. 13“
Take 1: „Ben, je me présente.... ici, voilà.“ 35“ Spr. 1:
Ich bin Akhenaton, ein Mitglied der HipHopBand I am aus Marseille. Ich bin Marseiller und Weltbürger. Es ist klar, man kann auch woanders was lernen, man kann nicht sagen, wir sind die besten. Aber wenn ich woanders bin, möchte ich immer schnell nach Marseille zurück. Vieles fehlt mir dann. Ich hänge an meiner Stadt. Mein Leben hat hier begonnen, und es wird hier enden, so Gott will. [Anmerkung: I am wird hier „Aijamm“ ausgesprochen]
Musik Akhenaton: Cut 5 Chaque jour ... Atmo 2: Taxifahrer vor Bahnhof St. Charles 1´19 (die ersten 18“ unter Musik ziehen)
Autorin: Ich soll Akhenaton in La Tosca treffen, dem Studio der Marseiller Rapper. Vor dem Bahnhof Saint Charles suche ich ein Taxi. Bald stehen mehrere Taxifahrer um mich herum und diskutieren, wo das sein könnte. Sie handeln untereinander aus, wer mich hinfahren soll.
Take 2: „Ce que j´aime à Marseille.... fatigue.“ 54“ Spr. 1:
Was ich an Marseille mag, ist die Lage. Die Vegetation, das Klima. Ich mag die Menschen, die aus den verschiedensten Ländern kommen und die Reibung, die dadurch entsteht, die verschiedenen Kulturen, all das. Aber ich hasse es, wenn gewisse engstirnige Leute die Stadt beherrschen. Ich verachte den Prozentsatz des Front National. Ich hasse diese Enge, jeder spioniert jeden aus. Ich verachte den Neid, die Eifersucht, das ist typisch südländisch. Manches an der Mentalität in Marseille bin ich leid.
Atmo 3: Atmo in La Tosca, in stereo, svp. Pour tony williams....1´55
Autorin: Akhenaton ist der Bandleader einer der erfolgreichsten und innovativsten europäischen Rap-Gruppen. Über drei Millionen Platten von I am sind bisher verkauft worden. Nebenbei tritt Akhenaton seit 1996 als Solist auf. Und im Jahr 2000 hat er einen Film gedreht, in dem er eine der Hauptrollen spielt, für den er das Drehbuch mitgeschrieben und die Musik komponiert hat. Akhenaton ist der Name eines ägyptischen Pharao, ein Künstlername. Erklärung: Seine Mutter habe ihm das Wissen über alte Kulturen im allgemeinen und die Liebe zur ägyptischen im Besonderen mitgegeben. Akhenatons Vorfahren kamen von Neapel nach Marseille. Nach wie vor besucht er seine italienische Verwandtschaft mindestens einmal im Jahr. Er ist mit einer Pariserin verheiratet, deren Eltern aus Nordafrika stammen. An dem Tag, an dem ich ihn interviewe, ist er nicht in Form: Sein Sohn ist krank, deshalb hat er die ganze Nacht kein Auge zugetan, und außerdem ist Ramadan. Akhenaton ist praktizierender Moslem und fastet deshalb bis zum Sonnenuntergang. Nicht etwa wegen seiner Frau, Aisha. Sondern weil einer seiner Großväter aus Kalabrien stammt, erklärt er. Außerdem waren die Menschen im Süden Italiens lange Muslime waren, bevor „die Barbaren eindrangen und in Europa die Inquisition veranstalteten“, sagt Akhenaton mir. Vielleicht sei das eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn viele Süditaliener hätten auch arabisches Blut in ihren Adern, und es gebe eine gewisse orientalische Sensibilität. Akhenaton ist halt ein typischer Marseiller.
Take 3: „Ici c´est un mélange.... place chez moi.“ 26“ Spr. 1:
Du kannst nicht mehr sagen, wer wer ist. Du triffst hier Leute, die halb Italiener, halb Libaneser, halb Armenier sind. Ich habe viele muslimische Freunde, mit denen ich lange diskutiert habe. Ich sah, wie sie während des Ramadan fasteten, und irgendwann machte ich mit. Ich kaufte Bücher über den Islam, dabei stamme ich aus einer kommunistischen Familie! Die Religion hat bei uns nie eine große Rolle gespielt.
Musik: „Au soleil de Marseille“ Mireille Ponsard Cut 2 Autorin:
In Marseille begegneten sich von Anfang an Menschen aus fernen Ländern: Aus dem Norden kamen die Kelten und Germanen, vom Meer die Griechen, die Armenier und die Türken, die Italiener, Spanier, Portugiesen und Korsen. Später war Marseille der Haupthandelsplatz des französischen Kolonialreichs. Das Image als Stadt der Ganoven, der Gauner, der Mafia, der korrupten Politiker, das viele Filme begründeten, gehört inzwischen jedoch langsam der Vergangenheit an. Seit der Fußballweltmeisterschaft 1998 ist Marseille in Mode gekommen. Plötzlich entdeckten die Franzosen, dass sie eine Stadt mit 30 Kilometer Strand haben, blauem Himmel und strahlender Sonne. Und seit der Hochgeschwindigkeitszug TGV nur noch drei Stunden von Paris nach Marseille braucht, sind die Züge auf Wochen ausgebucht.
Take 4: „Marseille c´est une ville.... pauvre en France.“ 40“ (Akhenaton) Spr. 1:
Marseille ist eine janusköpfige Stadt. Sie hat zwei Gesichter. Es gibt ein Gesicht, das sehr anziehend, sehr romantisch, sehr ruhig und beruhigend ist. Ich vergleiche das mit anderen Städten in Frankreich, in denen eine grundlose Aggressivität herrscht, sinnlos, aber sichtbar. Hier sind die Leute nicht so einfach aggressiv, aber wenn es ein Problem gibt, kann es gleich viel schlimmer sein als anderswo. Das liegt an der Geschichte und Marseille ist doch eine sehr arme Stadt. Nach wie vor die ärmste Stadt Frankreichs.
Musik: I am „Demain c´est loin“ Cut 16 (Akhenaton-Shurikn Chang-ti/Imhotep-Kheops-Shurikn Chang-ti) Atmo 5: „T´as pas honte?....“ 1´16“ (Film: Comme un aimant)
Autorin: „Schämst du dich nicht?“ schimpft der Vater seinen Sohn aus. „Es gibt keine Arbeit, nur Jobs,“ antwortet der. „Wozu hast du dann studiert?“ „Ich werde dir eines sagen: selbst ein Doktortitel hat keinen Wert.“ „Hast du dich mal angeschaut? Du bist ein Stück Scheiße.“ - „Okay, kann ich gehen?“ - „Hau ab, zieh Leine.“ Der junge Mann geht weg und übernachtet in einem Keller. Generationenkonflikt in einer Marseiller Familie, wie er in Akhenatons Film „Comme un aimant“ dargestellt ist. „Wie ein Magnet.“ Die Helden des Films ziehen das Unglück wie ein Magnet an. Der Film spielt im Panier, dem ältesten Viertel von Marseille.
Take 5: „C´est un film d´un quartier.... campagne.“ 1´00 Spr. 1:
Das ist ein Film über ein Stadtviertel, ganz einfach. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Film über die Jugendliche in einem Viertel der kleinen Leute. Man wird allerdings mehr Ähnlichkeiten mit Filmen von Fellini und solchen Leuten finden als mit den französischen Vorortsfilmen. Meine Familie stammt aus dem Panier. Als sie nach Marseille kam, hat sie wie viele Italiener in diesem Viertel gewohnt. Und zwar im Petit-Saint-Jean-Viertel, das auf Befehl von Hitler vollkommen zerstört wurde. Dort wurden sehr viele deutsche Soldaten umgebracht, und Hitler sagte, so geht das nicht, das ist eine Zuflucht von internationalen Banditen, wir machen das Viertel dem Erdboden gleich. Alle Italiener die im Panier wohnten haben sie nach Frejus gebracht und später auf dem Land angesiedelt.
Neuerdings werden hier häufig Filme gedreht, die die schöne Kulisse nutzen. Wie „Comme un aimant“. Im Film schlagen die Hauptfiguren im Café unterhalb meiner Wohnung die Zeit tot, halten sich erst mit kleineren und dann großen Gaunereien über Wasser. Akhenaton hat darauf bestanden, daß sein Film in diesem Viertel spielt.
Take 9: „Parce que c´est ni une cité.... pas une cité.“ 31“ Spr. 1:
Weil das keine Hochhaussiedlung ist, sondern weil es ein sehr schönes Viertel ist, und ich denke, der Schauplatz ist genauso wichtig wie die Personen im Film. In dieser Kulisse entwickeln sich die Charaktere, während in einer Hochhaussiedlung die Umgebung die Personen sofort verschluckt, und wenn die Leute den Film dann sehen, sehen sie nur die Gebäude. Was behält man von dem Film in Erinnerung? Ein Film der „banlieue“, der Vorortsiedlungen. Was behält man von meinem Film? Die Hauptperson ist fesselnd, verachtenswert, aber das Viertel beeinflußt die Meinung über den Film nicht. Ich wollte ein einfaches Viertel, aber keine Siedlung mit Hochhäusern.
Atmo 8: „D´après ce qu´il m´a fait... plein les oreilles.“ 51“ (Filmausschnitt, Dialog)
Autorin: „Nach dem was er mir angetan hat...“, beklagt sich das Mädchen bei ihrer Freundin. „Er ist jedenfalls nie da, wenn man ihn braucht, ob wir zusammen sind oder nicht, es ist, als wäre ich allein.“ „Dann war es richtig, dass du gegangen bist“ bekräftigt die Freundin. „Meiner hat mich verlassen, obwohl ich ihm Bouletten mit Soße gemacht habe. Er mochte das, und er ist trotzdem gegangen. Wir waren zu lange zusammen. Ich war blockiert, ich habe ihn fast angezeigt wegen unterlassener Hilfeleistung, als er mich verließ. Ich war am Abgrund...“ „Ich weiß wovon du sprichst. Wenn er mir was von Liebe erzählte, tat es am meisten weh.“ - „Hör zu. Beiß die Zähne zusammen, und du wirst wieder ganze Liebesserenaden zu hören kriegen.“ Autorin: Noch so ein Klischee: Der Marseiller trägt entweder ein goldenes Kettchen auf der behaarten Brust oder er sitzt mit der Bierflasche in der Hand am Steuer. Das Bild vom Marseiller ist nicht sehr glorreich. „Mit einem Marseiller mußt du Samstags zum Fußballspiel von Olympique gehen oder in einen Film mit Sylvester Stallone!“ Meine Freundin Nadia, selbst Marseillerin, wirft den Marseillern Kulturlosigkeit vor. Sie kritisiert sie hart , allerdings meint sie das nicht so ernst. Mit spitzer Zunge berichtet sie fassungslos, sie habe in Paris gesehen, wie Polizisten Touristen auf englisch Auskunft geben. Sie bricht in schallendes Gelächter aus: In Marseille reden sie nicht mal französisch!!!
Musik: Massila Sound System: Cut 15 Marseillais (Jali, Tatou/J.M Rivat, G. Bonnet, M. De Rossi)
Autorin: Gruppen wie Massilia Sound System zum Beispiel, besingen allerdings den Charme und den Wortwitz des Marseillers. Mal auf okzitanisch, mal auf französisch, mit dem typischen Akzent aus dem Süden. Take 10: „C´est un peu plus machiste... autre pièce.“ 37“ Spr. 1: In gewisser Weise ist es hier ein bißchen macho-mäßiger. Meine Frau ist Pariserin, sie wundert sich immer, wenn wir uns zu Tisch setzen. Sie hat nie begriffen, warum sich alle Männer auf eine Seite setzen und alle Frauen auf die andere. Aber das passiert automatisch, unglaublich. Einfach so. Sie war schockiert, sie meinte:„ Ich habe die Nase voll“, aber ich glaube, sie hat sich inzwischen daran gewöhnt. In meinem Dorf in Italien sind die Frauen in einem Zimmer, und die Männer in einem anderen.
Atmo 9: Filmausschnitt: „Et ton copain... Geschrei.“ 31“
Autorin: Zwei Jungs aus dem Panier sind bei Mädchen mit reichen Eltern eingeladen: „Und was hat dein Kumpel über mich gesagt?“ – „Daß du ein tolles Mädchen bist.“ – „Mir hat er auch Gutes von dir erzählt.“ Doch das Süßholzgeraspel dauert nicht lange: „Warte mal, hier ein Küßchen da ein Küßchen interessiert mich nicht.“ „Für was hältst du mich? Für ein leichtes Mädchen?.“
Take 11: „C´est la réalité... histoires vraies.“ 31“ Spr. 1:
Das ist die Wahrheit. Es gibt Typen, die haben nie gelernt taktvoll oder feinsinnig zu sein, sympathisch, die kennen nur die Aggression. Man sieht, wie sie am Anfang versuchen, korrekt zu sein, und wie es dann sehr schnell daneben geht. Das sind alles nur Tatsachen. Ich habe geschrieben, was ich im Kopf hatte. Wir haben das gemeinsam geschrieben, Kamel Saleh und ich, wir haben nur Tatsachen, wahre Geschichten geschrieben, die wir in das Drehbuch hineingeschrieben haben.
Musik Belsunce Breakdown The Magnet Cut 21. Bouga
Take 12: „Bonjour, je suis Bouga.... Belsunce breakdown.“ 18“ Spr. 2:
Ich heiße Bouga, ich wohne in Marseille, in Belsunce genau gesagt. Ich habe einen Titel gemacht, für das gemeinsamen Album des gemeinsamen Films, und der Titel heißt Belsunce breakdown.
Musik Belsunce Breakdown Cut 21 Bouga
Take 13: „Dans la tête des gens.... tous les niveaux.“ 1´32 Spr. 2:
Die Leute denken, man sei stark, wenn man zu mehreren ist. Aber man sieht erst, wer wirklich stark ist, wenn einer allein ist, ob das wirklich echte Männer oder Frauen sind. In der Gruppe sind wir alle stark. Wenn einer allein ist, hat man ihn zu viert oder zu fünft schnell in die Tasche gesteckt. Meine Philosphie ist: Es gibt junge Leute, die Gutes tun und es gibt welche, die Schlechtes tun. Es gibt welche, die es zu nichts bringen wollen im Leben. Es gibt sogar welche, die nicht einmal eine Arbeit finden wollen. Sie machen ein paar krumme Geschäfte, sie dealen ein bißchen, das reicht ihnen. Wenn man etwas erreicht hat, dann fangen die Leute an, daran herumzumäkeln und sagen, wenn du das hast , warum haben wir das nicht und blabla... Da müssen wir sagen, wenn wir etwas erreicht haben, dann deshalb, weil wir gearbeitet haben. Wenn du arbeitest, wirst du vielleicht auch etwas erreichen, du wirst etwas Eigenes haben. Jeder arbeitet für sich. Mein Ding war die Musik. Sobald ich eine Bühne sehe, steige ich hinauf, schnappe mir das Mikro und ich finde immer mein Publikum und es zum Lachen gebracht. Wenn ich einfach nur Quatsch erzählt habe, waren sie da und riefen: Bouga! Ich sagte mir, ich erzähle irgendeinen Quatsch, und das gefällt ihnen. Also werde ich noch ein bißchen mehr erfinden. Jetzt lebe ich davon, ich mach mich dafür kaputt. Ich habe Kinder, eine Frau, ein Haus... Also versuche ich, es auf allen Ebenen zu schaffen.
Musik Belsunce Breakdown Bouga Cut 21
Autorin: Bouga macht nicht nur Musik, er hat auch bereits vor acht Jahren mit Freunden eine Kleiderfirma gegründet, „Mecs de la rue“, die Typen von der Straße. Viel abgeworfen habe das Geschäft noch nicht, bedauert er, gibt aber die Hoffnung nicht auf. Im Film „Comme un aimant“ wird nicht die Jugend gezeigt, die versucht, sich ihren Weg nach oben zu bahnen, sondern die anderen, die es nicht geschafft haben.
Atmo 10: Baby schreit, Schritte, Musik, Hupen von Polizei. Motorrad. tatü tata. 52“
Autorin: In zahlreichen Filmen wird Marseille als ein Stadt voller Gauner und Ganoven dargestellt. Zahlreiche Anekdoten von ausgeraubten Touristen tun ein übriges. So erzählte mir mal ein Münchner, wie ihm sein nagelneuer BMW geraubt wurde, mitsamt Gepäck. Das Auto wurde wiedergefunden und der Münchner wollte es abholen: es war nur noch ein Wrack. Er hat aber eine Werkstatt gefunden, wo das Auto wieder fahrfähig hingebastelt wurde. Als er bei der Polizei war, um den Diebstahl zu melden, begegnete er Leuten, die noch mehr Pech hatten als er: Ein Herr erstattete Anzeige, weil ihm, als er nur kurz Zigaretten gekauft hatte, sein Jaguar mitsamt Ehefrau gestohlen worden war! Die Frau konnte sich an einer roten Ampel retten, aber das Auto war weg. „Erzählen Sie Ihren Hörern die Geschichte,“ baten mich die Polizisten, die mir meine Handtasche zurückgaben. Ich hatte sie in einem Auto vergessen, in dem ich vom Strand bis zum Parkplatz mitgenommen worden war. Im Sommer sind viele der Buchten für den Autoverkehr gesperrt, nur Anwohner dürfen bis ans Meer hinunter fahren. Ein junger Mann nahm mich also mit, ließ mich am Parkplatz aussteigen, trat aufs Gas und düste davon, und da stand ich nun vor meinem Auto – ohne Autoschlüssel, ohne Papiere. Und natürlich auch ohne Geld, ohne Handy, ohne Ausweis, ohne Kreditkarten... war alles in der Handtasche, die ich im Auto liegen lassen hatte. Aber ich bekam sie zurück, mit allem drum und dran, sogar mit umgerechnet über 200 Euro in bar! Soll noch einer sagen, in Marseille gebe es nur Gauner!
Atmo 11: Atmo la Tosca, Gemurmel, Musik, im Studio 1´32
Autorin: In „La Tosca“ gibt es Büroräume, ein Studio und eine Küche, die als Aufenthaltsraum benutzt wird. Hier arbeiten die Leute der Plattenfirma von I am, namens „Alchimie“. Außerdem gibt es noch drei weitere Produktionsfirmen, darunter das Studio La Tosca, das Akhenatons Frau Aisha verwaltet wird.
Take 14: „On crée nos structures... nos décisions.“ 27“ (Bouga) Spr. 2:
Wir schaffen unsere eigenen Strukturen, weil wir nicht mehr von einem Boss abhängen wollen. Es ist vorbei mit den Bossen. Für 4000 Francs arbeiten gehen, sich ein Bein ausreißen und die Gesundheit kaputt machen. Man sieht die Familie nicht, arbeitet neun Stunden, zwanzig Stunden... wir wollen das nicht. Wir wollen in unserem Tempo arbeiten und unsere Entscheidungen selbst treffen.
Autorin: Fabien ist der Manager von I am, er ist 30 Jahre alt. Er träumt nicht nur von den eigenen Strukturen. Sein Ziel ist es, daß Marseille endlich den Platz bekommt, den die Stadt verdient:
Take 15: „Parce qu´on vit dans un pays.... vraie identité.“ 39“ Spr. 2:
Wir leben in Frankreich in einem mordszentralisierten Land. Alles läuft über Paris: Medien, Presse, Radio, Fernsehen. Die Plattenfirmen, die Produktionsfirmen... Wenn wir jungen Leuten dazu anregen können, woanders hin zu gehen, sich in Marseille niederzulassen, wenn wir eine Art kleines Los Angeles werden können... Das ist unser Projekt für die nächsten zehn Jahre. Warum nicht? Wir können eine kulturelle Hauptstadt werden mit einer eigenen Identität, so wie Paris eine Wirtschaftsmetropole ist.
Atmo 12: Film: Husten. Zwei Schüsse. Hallo? Sauveur! Putain. Ruhe 1´32“
Take 16: „La fin .... perdu la vie.“ 30“ Spr. 1:
Der Schluß ist sehr theatralisch. Wir haben mit Absicht gezeigt, was mit echten Gangstern passiert, wo sich zur Zeit doch viele junge Leute gerne für Gangster halten. Der Junge wird ermordet. Das soll heißen, man kann bis zu einem bestimmten Punkt den Gangster spielen, aber wenn es ernst wird... Es gab Beispiele in diesem Jahr von jungen Leuten, die es mit wirklichen Ganoven aufnehmen wollten und dabei leider das Leben verloren haben.
Atmo 13: Film: italienische Musik, dramatisch. 1´30
Take 17: „Et puis aprés la scène... c´est comme ca.“ 37“ Spr. 1:
Und die Szene mit dem Feuer in den Straßen von Marseille, das ist ein reinigendes Feuer. Wir wollen die Stadt verändern, ohne sie zu verändern. Wir hassen sie, aber wir lieben sie... Es gibt eine Symbolik, wir wollten das absichtlich theatralisch und fiktiv machen, voller Symbole. Es ist eine Mischung aus Schönheit und Häßlichkeit. Wie das Leben. Marseille ist wie das Leben. Es kann sehr ruhig sein, und zwei Minuten später fällt ein Schuß. So ist das.
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